Wichtige Seiten vier Klicks tief: Klicktiefe in JMX prüfen
Der Shop hat 8.400 Seiten. Die Kategorieseiten, die den Umsatz tragen, erreicht man von der Startseite erst über die Übersicht, eine Filterseite und zweimal Blättern. Aufgefallen ist das niemandem: Alles ist verlinkt, alles antwortet mit 200. Teuer wird es trotzdem, denn je tiefer eine Seite in der Klickstruktur liegt, desto weniger interne Linkkraft erreicht sie und desto seltener wird sie neu abgeholt — bei einer Website dieser Größe ist die Klicktiefe einer der wenigen starken Hebel auf das Crawl-Budget, die sich ohne eine Zeile neuen Inhalt bewegen lassen.
So gehen Sie mit JMX vor
- Crawl ohne knappe Grenze starten. Unter Einstellungen → Crawl stehen maximale Tiefe und URL-Anzahl. Setzen Sie beide hoch genug an. Ein Lauf, der bei Tiefe 4 endet, meldet keine Seite auf Tiefe 6 — er kennt sie nicht.
- Verteilung nach Tiefe in der Übersicht lesen. Ein Klick auf einen Balken öffnet die Ergebnisse, gefiltert auf diese Klicktiefe. Neben der Trefferzahl steht dann das Etikett „Tiefe 3“ — der einzige Hinweis, dass die Liste beschnitten ist.
- Die Schwelle einstellen. Die Regel „Seite liegt zu tief in der Klickstruktur“ meldet jede Seite, die tiefer liegt als eingestellt — Vorgabe sind 5 Klicks, gemeldet wird also ab Tiefe 6. Einen Regler dafür hat die Oberfläche allerdings nicht: Unter Einstellungen → Regeln lassen sich Regeln nur ein- und ausschalten und im Schweregrad ändern, und der Reiter Schwellenwerte führt die Klicktiefe nicht. Wer sie verstellt, tut das in der gespeicherten Einstellungsdatei; danach genügt Aktualisieren in der Problem-Ansicht, ein zweiter Crawl ist nicht nötig.
- Link Score einblenden. In den Ergebnistabellen lässt sich die Spalte Link Score zuschalten, der interne PageRank von 0 bis 100. Die Tiefe sagt, wie weit weg eine Seite liegt, der Link Score sagt, von wo aus sie verlinkt ist: Drei Links von der Startseite tragen mehr als dreißig aus einem vergessenen Tag-Archiv.
- Den Crawl-Baum ansehen. Er zeichnet die Klicktiefe je Seite. Färben Sie nach Tiefe und setzen Sie, sofern Search-Console-Daten geladen sind, die Knotengröße auf Impressionen. So sehen Sie in einem Bild, wo die Nachfrage wohnt und wie tief sie liegt.
- Reihenfolge im Reiter Aufgaben. Dort stehen Auswirkung in Punkten, geschätzter Aufwand und Hebel — Punkte je Personentag — samt Einteilung in Sofort, Einplanen, Nebenbei und Zurückstellen. Die Arbeit fällt je betroffener Seite an: 300 zu tiefe Seiten sind ein Vorhaben und kein Handgriff.
Worauf Sie achten müssen
Klicktiefe ist nicht Pfadtiefe. Eine Adresse mit fünf Verzeichnisebenen, direkt von der Startseite verlinkt, hat Tiefe 1; ein kurzes /angebot/ kann auf Tiefe 6 liegen. Gemessen wird ab der Startadresse: Wer den Crawl auf /shop/ beginnen lässt, bekommt eine Verteilung, die zwei Ebenen zu gut aussieht.
Die Tiefe entsteht aus den Links im ausgelieferten HTML. Was erst ein Skript nachreicht — Mega-Menü, „Mehr laden“-Knopf —, folgt der Crawl nicht, und die meisten KI-Antwort-Crawler führen ebenfalls kein JavaScript aus. Das JavaScript-Rendern zeigt zwar, welche Links erst im Browser entstehen, rechnet die Klicktiefe aber nicht neu — und ersetzt keine Navigation, die serverseitig nie ausgeliefert wird.
Der Befund kommt als Hinweis, nicht als Warnung: Eine tiefe Seite ist kein Fehler, sondern eine Entscheidung, die falsch sein kann — wer die Problem-Ansicht auf den Schweregrad „Warnung“ filtert, sieht die Zeile nie. Ein Sonderfall bleibt die Paginierung: Jeder Blätterschritt erzeugt eine Ebene, und wer nur kürzer blättern lässt, verschiebt das Problem; was hilft, ist eine Themenübersicht, die direkt auf die Detailseiten zeigt.
Ist die Verteilung beim nächsten Lauf flacher und die Seiten bekommen trotzdem keine Klicks, war die Tiefe nicht das Problem — und Sie wissen das nach einem Nachmittag statt nach einem Quartal.