Vom Befund-Export zum Bericht, den der Kunde versteht
Der Crawl ist durch, der Excel-Export hat 3.000 Zeilen, die Mail ist raus. Zwei Wochen später ist nichts passiert. Beim Folgetermin kommt die Frage, die den nächsten Auftrag kostet: „Und was heißt das jetzt für uns?“ Eine Befundliste beantwortet, was falsch ist — gefragt ist aber, womit angefangen wird, wie lange es dauert und wer es macht, und solange diese zweite Frage offenbleibt, wird ein Audit einmal bezahlt und nie wieder beauftragt.
So gehen Sie mit JMX vor
- Unter Einstellungen → Segmente die Bereiche der Website beschreiben — Shop, Blog, Karriere —, je Segment ein Name und ein Muster: URL enthält, Pfad beginnt mit, regulärer Ausdruck, Host. Die Problem-Ansicht zeigt darüber die Aufschlüsselung mit Befunden je Seite. Aus „412 Seiten ohne Meta-Description“ wird die Frage, welche Abteilung das erledigt.
- Den Reiter Aufgaben öffnen. Über der Tabelle stehen vier Kacheln: Sofort, Einplanen, Nebenbei, Zurückstellen. Jede Zeile trägt die Auswirkung in Punkten, den geschätzten Aufwand in Arbeitszeit und den Hebel — Punkte je Personentag.
- Im Reiter Bericht eine Vorlage je Kunde anlegen: Logo (wird eingebettet, bis 2 MB) und Akzentfarbe, dann die 15 Abschnitte verschieben, abschalten und umbenennen. Wer intern von „Sichtbarkeitsprüfung“ spricht, sollte dieses Wort auch im Dokument lesen.
- Die Vorbemerkung ausfüllen. Sie ist das einzige Feld, das kein Werkzeug erzeugen kann: Warum wurde geprüft, was war der Anlass. Das fragt jeder Kunde zuerst.
- Unter Detailtiefe entscheiden, für wen das Dokument ist. „Betroffene URLs auflisten“ aus macht aus vierzig Seiten zwei; „Ab diesem Schweregrad“ auf Fehler nimmt die Hinweise heraus; „Handlungsempfehlung abdrucken“ bleibt an, sonst entsteht eine Mängelliste.
- Die Kästen „Warum das wichtig ist“ durchgehen. Jeder Abschnitt bringt einen Text mit, der als Vorbelegung im Bearbeitungsfeld steht; eigener Wortlaut ersetzt ihn dauerhaft in dieser Vorlage.
- Bericht erzeugen — die Endung im Speicherdialog entscheidet zwischen HTML und PDF. Für den, der abhakt, dazu die Aufgabenliste als Excel-Mappe mit Deckblatt und einer Zeile je Aufgabe.
Worauf Sie achten müssen
Die häufigste Fehlinterpretation betrifft die Punkte. Die Auswirkung in der Aufgabenliste sagt, was ein Befund die Bewertung derzeit kostet — nicht, um wie viel der Score nach der Behebung steigt. Eine Website, die bei 0 steht, bewegt sich erst, wenn genug anderes weg ist. Dasselbe gilt in der anderen Richtung für den Barrierefreiheits-Score: 100 heißt „diese Fehlerklassen sind nicht vorhanden“, nicht „barrierefrei“. Farbkontrast, die tatsächliche Fokusreihenfolge und die Qualität einer Beschreibung sieht keine statische Prüfung, und dieser Satz steht deshalb auch im Bericht.
Der Aufwand ist eine Schätzung und als solche gemeint: rund sechs Minuten für einen Handgriff, gut zwanzig für einen kurzen Text, anderthalb Stunden für echte Arbeit an einer Seite, ein Dreivierteltag für ein Vorhaben. Eine Änderung, die einmal an einer Vorlage genügt, wird mit dem Dreifachen des jeweiligen Einzelaufwands gerechnet. Wer eigene Erfahrungswerte hat, wird andere Stunden erwarten — sagen Sie das im Termin, bevor der Kunde die Zahl für ein Angebot hält.
Zwei Sonderfälle kosten sonst Nacharbeit. Ein Abschnitt ohne Daten wird beim Erzeugen still übersprungen; wer Core Web Vitals angehakt und nie gemessen hat, merkt das ohne die Liste über den Feldern erst nach dem Versenden. Und das Logo bleibt dem PDF fern: Der eingebaute PDF-Erzeuger setzt Text, Linien und Flächen, aber bettet keine Bilder ein. Wer das Logo braucht, verschickt die HTML-Fassung.
Wer die Reihenfolge erklärt bekommt, kann den zweiten Schritt beauftragen — und darüber entscheidet nicht der Crawl, sondern die halbe Stunde danach.